Nordfriesische Inseln

Bild: © OpenStreetMap-Mitwirkende / Christoph Wild

Reise

2019 packen wir unsere Koffer, um uns im Rahmen der 42. Innsbrucker Wochenendgespräche auf Reisen zu begeben. Was reizt uns eigentlich am Unterwegssein? Warum wollen alle reisen, aber niemand ist gerne Tourist? Stefan Zweig hat für diese Unterscheidung übrigens das schöne Begriffspaar „reisen“ und „gereist werden“ geprägt. – Und warum müssen wir nach jedem Ferienende den Daheimgebliebenen im Detail von unseren Erlebnissen berichten? Vielleicht weil auch in der kleinsten Urlaubsreise noch der Mythos spürbar ist, dass jede Reise in die Fremde auch eine Reise zu sich selbst ist.

Mehr dazu erfahren Sie im heurigen Themenschwerpunkt: Unter der Leitung von Stefan Slupetzky – er philosophiert in seiner Lesereise Mauritius auch über das Wesen des Reisens an sich – diskutieren: der Autor und Übersetzer Stefan Moster, der eines Tages  Die Frau des Botschafters  Oda einen tollkühnen Plan fassen lässt: Sie will ihrem erblindenden Sohn das einzigartige nordische Licht auf dem zugefrorenen Schärenmeer zeigen. In  Gibraltar  lässt Sascha Reh den Invest­mentbanker Bernhard Milbrandt kreuz und quer durch Europa reisen, in  Aurora berichtet er über die Ereignisse, die sich während eines gewaltigen Schneesturms auf der sonst so milden Insel Bornholm ereignen. Eine Reise in das berühmte Thermalbad Vals und die atemberaubende Schweizer Landschaft verändert das Leben der Figuren von Tim Krohns Erzählungen Nachts in Vals. Katharina Winklers Debütroman Blauschmuck erzählt die wahre Geschichte der Türkin Filiz, deren Leben von Abhängigkeit und brutaler Unterdrückung geprägt ist. Daran ändert zunächst auch die Emigration der Familie in den Westen nichts. Andreas Altmann bereist die Welt am liebsten abseits ausgetretener Pfade und kehrt stets mit einer Fülle neuer Geschichten zurück, um in Reportagen und Büchern mit Begeisterung davon zu berichten. Martin Amanshauser pflegt die Kunst der Reise-Kolumne, der kein Sujet zu unbedeutend ist, um nicht Gegenstand seiner Betrachtung zu werden, und vom Wiener Gürtel bis zum Straßenmarkt in Hongkong auch keines zu fern oder zu nah. Manuela Di Francos Debütroman Der Himmel ist grün erzählt vom Glück des Aufbruchs, vom ewigen Traum, mit der wachsenden Entfernung auch das alte Leben hinter sich zu lassen und in der Fremde ein neues zu finden. Wie sehr die Sehnsucht nach der Fremde immer auch eine Projektion ist und der Aufbruch in die Freiheit ein vermeintlich leicht einzulösendes Versprechen, davon ist in Thomas Stangls Romanen und Essays die Rede. Und doch bleibt die Faszination der Konfrontation mit der größtmöglichen Ferne vom alltäglichen Leben ungebrochen: nachzulesen in den Reiseberichten von Tina Uebel, die auch vor den unwirtlichsten Gegenden der Welt nicht zurückschreckt.

Wohin auch immer es Sie in den nächsten Wochen verschlägt: Möge das ein oder andere Buch zu Ihrem Reisebegleiter werden.

Birgit Holzner und Joe Rabl

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