Portrait Andreas Altmann
Foto: Nathalie Bauer

Andreas Altmann

hat sich in vielen Berufen versucht, bevor er begonnen hat, die Welt zu bereisen und darüber zu schreiben. Altmann ist Deutschlands bekanntester „travel wirter“ und Stammgast auf Bestsellerlisten. Er lebt in Paris. Zuletzt erschienen: Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend (2011), Gebrauchsanweisung für die Welt (2012), Dies beschissen schöne Leben. Geschichten eines Davongekommenen (2013), Verdammtes Land. Eine Reise durch Palästina (2014), Frauen. Geschichten (2015), Gebrauchsanweisung für das Leben (2017), In Mexiko. Reise durch ein hitziges Land (2018). Ausgezeichnet u.a. mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis, dem Seume-Literaturpreis und dem Reisebuch-Preis.

Das wird kein Reisebuch. Es wäre überflüssig. Jede Hausmauer in Mexiko wurde bereits beschrieben, Millionen Fotos zirkulieren im Netz, Hunderttausende Webseiten gibt es. Auf Youtube kann man den Rest seiner Lebenszeit mit dem Betrachten einschlägiger Beiträge verbringen.

Was tun? Das Einzige, was so ein Unternehmen – noch ein Buch – rechtfertigt: Der Reporter wirft einen sehr eigenmächtigen, auch provozierenden Blick auf alles, was ihm über den Weg läuft. Auf Frauen, auf Männer, auf alles, was an ihm vorbeizieht, was ihn entflammt und mitreißt, was ihn heulen lässt und bitter sein, alles, was seine Begabung zur Menschenliebe und Freundschaft weckt, was seine Wut und Verachtung provoziert, alles eben, was (weltwachen) Menschen gemeinsam ist: die Neugier auf das Leben anderer.

Je radikaler der Schreiber sich ausliefert, je verwundbarer er sich herzeigt, desto inniger verführt er den Leser zur Teilnahme. Der Schreiber als Katalysator, um Nähe herzustellen. Nähe zum Fremden, an dem so vieles uns fern ist. Und vieles so nah.

Aus: In Mexiko. Reise durch ein hitziges Land. Piper: München 2018




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