Portrait Martin Amanshauser
Foto: Manfred Weis

Martin Amanshauser

lebt als Autor, Übersetzer aus dem Portugiesischen und Journalist in Wien. Für die Presse schreibt er die wöchentliche Reisekolumne „Amanshausers Album“. Romane (Der Fisch in der Streichholzschachtel, 2015), Gedichte (Es ist unangenehm im Sonnensystem, 2019) sowie Reisebücher (Logbuch Welt. 52 Reiseziele für Profi-Traveller und chronische Daheimbleiber, 2007; Falsch Reisen. Alle machen es. 100 Geschichten, 2014; Typisch Welt. 111 Geschichten zum weiter Reisen, 2016; Die Amerikafalle oder: Wie ich lernte, die Weltmacht zu lieben, 2018).

Es heißt, man solle in Rom immer tun wie die jeweiligen Römer. Die Römer des 21. Jahrhunderts, auch Amerikaner genannt, sind bei oberflächlicher Betrachtung kaum von jemandem wie mir zu unterscheiden. Trotzdem fühlen und denken sie ganz anders. Bevor ich 2017 in die USA flog, war mir das unbekannt.

Bei meiner Ankunft wusste ich nicht, ob sich ein Sheriff mit Doppel-R, Doppel-F oder mit beiden Doppelbuchstaben schrieb. Ich kann Ihnen sagen, ich habe diese Orthographie rasch gelernt. Zunächst war ich davon ausgegangen, dass man während eines 4-monatigen USA-Aufenthalts nicht übermäßig viel lernen oder gar das sogenannte mindset ändern muss. Doch dann stellte sich heraus, dass die Herausforderungen auch abseits der Rechtschreibung warteten. [...]

Ich bin kein USA-Fan, aber auch kein Anti-Amerikaner. Ich möchte beides nicht werden. Sehr wohl wurde ich unwillkürlich ein Sympathisant der Amerikaner, ihrer hemmungslosen Neugier, ihrer ungenierten Direktheit und des trockenen Humors. Ich wurde ein Freund ihrer bezaubernden Herzlichkeit und ihres heillosen Optimismus, ohne den gar nichts geht. Ein Freund des Irrsinns, der ein gigantisches Land durchweht, in dem die heftigsten Widersprüche miteinander kämpfen und aus dem alle gängigen Superhelden stammen. Insofern sind dies weniger Notizen über das Land als vielmehr über dessen Bewohner – und darüber, wie ihre Vorzüge und Spleens mit meinen kollidierten.

Aus: Die Amerikafalle oder: Wie ich lernte, die Weltmacht zu lieben. Kremayr & Scheriau: Wien 2018




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