Portrait Barbara Frischmuth
Foto: Monika Löff

Barbara Frischmuth

1941 in Altaussee geboren. Der Vater, Anton Frischmuth, der 1943 in Russland fiel, war Hotelier; der Familienbetrieb wurde von der Mutter Maria bis 1956 allein weitergeführt. Ein neunmonatiger Stipendienaufenthalt ermöglichte ihr 1960/61 ein Studium an der türkischen Atatürk-Universität in Erzurum. In ihrer Abwesenheit wurde sie zum Gründungsmitglied des Forums Stadtpark ernannt; im Forum las sie im Frühjahr 1961 auch erstmals eigene Werke. 1967 erschien als erste Übersetzung aus dem Ungarischen das KZ-Tagebuch der Siebenbürger Jüdin Ana Novac im Rowohlt Verlag, ein Jahr darauf ihr erstes eigenes Werk Die Klosterschule bei Suhrkamp. Von da an publizierte sie Romane, Erzählungen, Dramen, Hörspiele und einige weitere Übersetzungen aus dem Ungarischen. Zuletzt erschienen: Dein Schatten tanzt in der Küche. Erzählungen, Aufbau 2021; Natur und die Versuche, ihr mit Sprache beizukommen. Residenz 2021; Verschüttete Milch. Roman, Aufbau 2019.

Wenn er sich zurückerinnerte, war es eine entspannte angenehme Woche gewesen. Sie waren sogar nach Venedig gefahren, an einem Tag, an dem Regen angesagt war, doch gab es bloß Wolken. Sie besuchten das Giotto-Museum, und er bemühte sich, ihr die Schönheit dieser Bilder zu erklären, sie hörte ihm zu, schaute auf die Bilder und nickte.

Dann sagte sie mit einem Mal, dass ihr die Bilder von Vittore Carpaccio dennoch besser gefielen. Sie sei vor Jahren mit ihrem Vater nach Venedig gefahren, da er dort geschäftlich zu tun hatte. Danach sei sie mit ihm ins Museum Correr gegangen und habe dieses Bild mit den beiden Damen und ihren Hündchen, die auf der Terrasse, mit Blick zur Lagune, auf die Heimkehr ihrer Männer von der Jagd warteten, gesehen. Dieses Bild sei nicht nur sehr schön, es habe sie auch tief berührt.

Aus: Dein Schatten tanzt in der Küche. Aufbau 2021




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