Was ist Familie und wer ist das?

Zwanzigstes Jahrhundert, Südtirol, ländliche Region. Zwischen Berg, Baum, Kuh und Wiese ein Haus. Darin ein Mann, eine Frau und wenig später ein Kind. Vater, Mutter, Kind, die damalige gesellschaftliche Vorstellung einer Familie.

Die Vorstellung: Vater + Mutter + Kind = Familie

Der Vater arbeitet. Der Vater verdient das Geld. Der Vater verwaltet das Geld.
Die Mutter kocht. Die Mutter putzt. Die Mutter macht die Wäsche. Die Mutter bezieht das Bett. Die Mutter erzieht das Kind. Die Mutter hört hin. Die Mutter sieht hin. Die Mutter hält die Hand. Die Mutter putzt die Nase. Die Mutter wischt die Tränen weg. Die Mutter pflegt gesund.
Die Mutter kümmert sich. Die Mutter ist da. Kurzum: die Mutter ist Familie.

Und am Anfang auch Familie, am Anfang Vater, Mutter, Kind. Doch das Kind kein Erstgeborener, das Kind eine erst Geborene, das Kind ein Sie und soll sein Er. Doch die Mutter nur ganz kurz Mutter, dann nicht mehr Mutter, keine Mutter mehr, fort die Mutter. Doch der Vater ist Vater und kann nicht sein Vater und will sein Vater, ist es und ist es nicht.
Der Vater ist Vater. Der Vater ist Mutter. Der Vater ist, versucht zu sein, da zu sein.

Die Realität: Vater + Kind = Familie?

Der Vater arbeitet. Der Vater verdient das Geld. Der Vater verwaltet das Geld.
Wer kocht, putzt, macht die Wäsche, bezieht das Bett, erzieht das Kind? Wer hört hin, sieht hin? Wer hält die Hand, putzt die Nase, wischt die Tränen weg? Wer pflegt gesund? Wer kümmert sich? Wer ist da? Wer ist Familie?

Miriam Unterthiner

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