Portrait Elke Laznia
Foto: Miriam Laznia

Elke Laznia

Geboren 1974 in Klagenfurt, lebt seit ihrem Studium in Salzburg. Rauriser Förderungspreis und „manuskripte“-Förderungspreis 2012, Maria-Zittrauer-Lyrikpreis 2013, Georg-Trakl-Förderungspreis 2016, Buchprämie des Bundeskanzleramtes 2019. Publikationen in Zeitschriften und Anthologien. Bei Müry Salzmann sind erschienen: Kindheitswald. Roman (2014), Salzgehalt. Dichtungen (2017), Lavendellied (2019) und Fischgrätentage (2024).

Bist damals gegangen, um alles hinter dir zu lassen. Die Frau, die Kinder, den Alkohol, das verschuldete Haus hinter dir gelassen und bist gegangen. Hast geglaubt, neu beginnen zu können. Hast gedacht, es ginge einfach. Es ging einfach. Hast dir die Vergangenheit wie mit einem Lauskamm aus den Haaren gekämmt.

Da ist er gegangen und hat ein neues Leben begonnen, sich eine neue Frau gefunden und neue Kinder gezeugt und sich die Vergangenheit wie mit einem Lauskamm aus den Haaren gekämmt.

Hat getan, als wäre nichts gewesen, hat vor den größer und größer werdenden Kindern seine Vergangenheit verheimlicht, als hätte es sie nie gegeben, als hätte es uns nie gegeben. Als hätte es mich nicht gegeben. Nicht gegeben. Hat sich uns abgeschüttelt. Sich unser entledigt. Und sich nicht umgedreht, so getan, als wäre nichts gewesen, als hätten wir an ihm keine Spuren hinterlassen, ich habe an ihm keine Spuren hinterlassen. Spurlos. Als wäre nichts gewesen. Es ist nichts gewesen. Es ist nichts. Hat sich die Vergangenheit wie mit einem Lauskamm aus den Haaren gekämmt.

Aus: Kindheitswald, Müry Salzmann 2014

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