Carolina Schutti
1976 in Innsbruck geboren, Studium der Konzertgitarre und Germanistik, Anglistik/Amerikanistik an der Universität Innsbruck. Lektorin an der Universität Florenz, Mitarbeiterin im Literaturhaus am Inn. Österreichisches Staatsstipendium für Literatur, Alois-Vogel-Literaturpreis, EU-Literaturpreis 2015, Hilde-Zach-Kunststipendium, Großes Literaturstipendium des Landes Tirol 2019, Teilnahme am Ingeborg-Bachmann-Preis 2020, Buchprämie des bmkoes 2020 für Patagonien. Ihre Bücher wurden bislang in siebzehn Sprachen übersetzt. Zuletzt erschienen: Patagonien (edition laurin 2020), Der Himmel ist ein kleiner Kreis (Droschl 2021), Meeresbrise (Droschl 2023).
Unruhe, die er längst hinter sich gelassen zu haben glaubt. Es war wie eine Sucht gewesen. Von Zürich nach Bern, von Bern nach Fontainebleau, von dort in ein kleines Nest in Spanien und schließlich hatte er die weite Reise nach Südamerika angetreten, auf der Suche nach Größe, nach Weite, nach etwas Neuem. Touristenstädtchen, winzige Orte, Geheimtipps für Bergsteiger, kaum mehr als eine Ansammlung von Hütten. Doch auch da war es ihm irgendwann zu voll geworden, zu laut, er hatte die Menschen nicht mehr ertragen, die an- und abreisenden Sportler, Abenteurer, Weltenbummler. Aufs Geratewohl war er immer weiter in den Süden gelangt, hatte eines Abends in einer Bar Sarah und Johannes kennengelernt, die gerade Baumaterial eingekauft hatten, sie waren ins Gespräch gekommen und sie hatten ihn eingeladen, ihn mitzunehmen bis an den Ort, an dem es kein Weiterkommen mehr gab.
Aus: Patagonien, edition laurin 2020
Foto: Bernhard Aichner